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Einführung

Angkor Map
Angkor Map

Karte von Angkor bei Comaille
Karte von Angkor bei Comaille

Kambodschanisches Haus (nach Mouhot)
Kambodschanisches Haus (nach Mouhot)

Angkor liegt im Norden Kambodschas in einer leicht geneigten Tiefebene zwischen dem riesigen Binnensee Tonlé Sap, „Großer See“, im Süden-Südwesten und dem Sandstein-Plateau Phnom Kulen, „Litschi-Berg“, im Norden-Nordosten.

In dieser Eben wird seit jeher Reis (eigentlich Nass-Reis) angebaut. Er wächst in flachem, langsam fließendem Wasser. Der Große See, Flüsse, Kanäle und Wasserbecken liefern Fisch. („Hast du Wasser, hast du Fisch“, sagt ein kambodschanisches Sprichwort.)

Hier war vom 9. bis etwa zum 14. Jahrhundert  die Hauptstadt des Reiches der Khmer, der Kambodschaner.

Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem erlaubte es, den Reisanbau zu intensivieren; das war die Grundlage für Wohlfahrt, Reichtum und Macht.

In Kambodscha gehört die Erde den Ahnengeistern. Nach der Legende heiratet die Tochter des Naga-Königs einen indischen Prinzen. Der Naga-König schluckt das Wasser, welches das Land bedeckt, in sich hinein, erschafft damit das Land Kambodscha und gibt es dem jungen Paar zum Anbau von Reis für ihre Nachkommen. Die Naga-Prinzessin wird zur Stammmutter der Khmer. Bis heute gehören in Kambodscha die Reisfelder den Frauen.

In den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung kamen Brahmanen und Händler aus Indien und ihre Kultur mit, indische Götterkulte und die Herrschaft von Königen.

Um ihre Herrschaft durchzusetzen, proklamierten die Könige ihren Gott Shiva als Oberherren der Welt, in dessen Namen sie regierten, und bauten ihm Tempel.

Auch buddhistische Tempel wurden errichtet; einige Könige waren Buddhisten, bauten aber Staatstempel zu Ehren Shivas.

Nur Tempel wurden aus Stein gebaut, alle anderen Bauten, auch die Paläste, waren aus Holz und anderem vergänglichem Material und sind verschwunden.

Ihre Hauptstadt Angkor, eigentlich: Yasodharapura, war locker, aber kontinuierlich bebaut. Diese „Metropole der Reisfelder“ bedeckte eine Fläche von ca. 1000 Quadratkilometern, hatte einen Durchmesser von ca. 30 km und bis zu eine Million Einwohner. Sie war die mit weitem Abstand flächengrößte vor-industrielle Stadt auf diesem Planeten.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts macht der neue König den Buddhismus zur Staatsreligion. Sein immenses Bauprogramm überfordert die Kräfte des Landes. Also wird versucht den Reisanbau übermäßig auszudehnen. Aber durch fortschreitende Erosion gerät das Bewässerungssystem aus dem Gleichgewicht und bricht zusammen. Die Flüsse fließen schneller und graben sich ein, der Grundwasserspiegel sinkt. Die Folge ist ein ökologisches Desaster. Ein großer Teil der Bevölkerung verlässt Angkor. Etwa im späten 14. Jahrhundert wird die Hauptstadt in den Raum des heutigen Phnom Penh verlegt.

Wald wächst über die verlassenen Felder und die Ruinen der Tempel.

Angkor war nie vergessen. Henri Mouhot, ein Franzose, der im Auftrag der Royal Geographic Society in London das Land bereiste, besuchte 1860 Angkor Wat und andere Stätten. Er starb kurz danach an Malaria. Sein Tagebuch wurde gerettet und erschien in englischer Übersetzung 1864 in London, schlug ein wie eine Granate und machte Angkor in der westlichen Welt bekannt.

Durch den Vertrag von 1907 zwischen Frankreich, damals Schutzmacht Kambodschas, und Thailand, damals Siam, kommt Angkor wieder zu Kambodscha.

Die École française d’Extrême-Orient, das „Französische Institut des Fernen Ostens“, beginnt mit der Konservierung der Ruinen. 1912 erscheint Guide aux ruins d’Angkor, verfasst von Jean Comaille, dem ersten Konservator. Nach ihm wird die alte Straße nach Angkor Rue Comaille benannt, die heutige Komay Road.

Der Tourismus beginnt.

In den frühen 1920errn werden befestigte Rundwege angelegt, Petite Circuit und Grande Circuit.

In den 1940ern organisiert das Grand Hotel d’Angkor Drei-Tages-Touren in Konvoys. Die Tempel von Roluos, Banteay Samré und Banteay Srei sind darin noch nicht enthalten.

Erst 1933/34 wird der Phnom Bakheng als Gründungstempel der Hauptstadt Yasodharapura identifiziert, der erste Schritt zu einer chronologisch-historischen Ordnung der Tempel ist getan.

Selbstverständlich erschließen sich die Tempel und Ruinen von Angkor nur aus ihrer Geschichte.

Jedes Bauwerk in Angkor und jedes Detail hat eine Funktion, einen Zweck und steht in einer Tradition und einem Sinn-Zusammenhang. Wir müssen diese Funktion herausfinden um die Geschichte zu verstehen.  

Mehr weiter unten in diesem Kapitel. Die Tempel sind nach ihrer Entstehungszeit geordnet.

Mehr zur Ihrem Besuch erfahren Sie im Abschnitt Mit Reinhart in den Tempeln.

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