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Phnom Bakheng und Yasodharapura

Die zweite Hauptstadt

Gegen 900 baute König Yasovarman I. 889-c. 900) seine Hauptstadt Yasodharapura, „Stadt des Yasovarman“.

Er baute auch den Östlichen Baray (7,1 mal 1,7 km) und mindestens fünf weitere Tempel.

Yasodharapura dehnte sich aus auf der Ebene zwischen den Bergen im Nordosten, Phnom Kulen und Kbal Spean, und dem großen See Tonlé Sap im Südwesten.

Hariharalaya (Roluos) wurde ein Vorort.

Yasodharapura wuchs als locker, aber kontinuierlich besiedelte „Metropole der Reisfelder“ zu einer Fläche von ungefähr eintausend Quadratkilometern, und war bis zum 19. Jahrhundert die bei weitem flächengrößte Stadt der Welt.

Phnom Bakheng

Ursprünglicher Name: Yasodharesvara, „[Tempel Shivas] des Beschützers von Yasovarman“.

Datum: gegen 900
König: Yasovarman I. (889– c. 900)
Orientierung: Osten
Religion: Hinduismus, Shiva
Funktion: Staatstempel

LIDAR Karte
LIDAR Karte

Plan der Pyramide nach Glaize
Plan der Pyramide nach Glaize

Dieser Tempel erschließt sich nur dem, der seine Geschichte kennt. Wer nur dort hinaufgeht, um den Sonnenuntergang zu sehen, versäumt etwas.

Es war einmal ein Tempel

Aus der Ebene ragt ein Inselberg auf. (Phnom heißt Berg oder Hügel.) König Yasovarman I. hatte hier einen exzellenten Ort gefunden für seinen Staatstempel; dieser schloss den gesamten Hügel ein.

Nach Osten war der Eingang mit vorgelagertem Hof und einer Avenue,  die den Tempel mit dem Fluss verband, den der König dorthin hatte umleiten lassen.

Die Kuppe ließ er oben abflachen, die Pyramide, 13 m hoch, ließ er aus dem anstehenden Felsen hauen und dann mit Sandstein-Mauern und -Platten verkleiden.

Oben standen, auf einer erhöhten Plattform, fünf Türme in Quincunx-Stellung (wie die Fünf auf einem Würfel), das war die erste Quincunx der Welt.

Jeder Turm wurde von acht Devatas in Halbrelief bewacht; von den insgesamt vierzig sind nur wenige erhalten.

In jedem der vier Ecktürme steht ein Linga mit Yoni.

Auf jeder der fünf Stufen der Pyramide standen 12 Türme, 60 Türme insgesamt. Alle Türme auf der Pyramide waren aus Sandstein gebaut.

Von Löwen bewachte Treppen führten in jeder Himmelsrichtung auf die Pyramide hinauf.

Am Fuß der Pyramide standen 44 Ziegeltürme.

Vier Nandi-Statuen standen am Fuß der Treppen.

Zahlensymbolik

Die 5 großen Türme symbolisieren die 5 Gipfel des Berges Meru in der Mitte der Welt; sie ragen in den Himmel und sind die Heimstatt der Götter.

Der zentrale Turm ist von 108 weiteren Türmen umgeben. 108 ist 2 mal 54; 54 ist im Hinduismus und Buddhismus eine magische Zahl.

Die Pyramide zeigt aus jeder Himmelsrichtung 33 Türme; 33 Götter wohnen in Indras Himmel.

Funktion

Der König herrscht über sein Reich im Namen des Gottes Shiva. Der Tempel ist der Ort, wo der König den Gott anbetet. Dazu zieht der König in einer Besuchszeremonie vor das Abbild des Gottes. Vor dem zentralen Turm sehen wir zwei Doppelreihen von kreisrunden Löchern für die Pfosten eines hölzernen Pavillons; hier warf sich der König vor dem Bild Shivas zu Boden.

Ostwärts vor der Pyramide stehen zwei Feuer-Schreine, aus Sandstein gebaut. Hier wurden Opfergaben verbrannt. Die Türen auf der Ostseite sind nachträglich hinein gebrochen worden. Shiva war übrigens Vegetarier.

Der ursprüngliche Zugang von Osten

Von Osten steigt eine Treppe den Hügel hinan. Weitere Treppen sind im Norden und Westen, die im Süden wurde nie gebaut.

Vor dem Tor-Pavillon am Ost-Fuß des Hügels war ein weiter Platz, in den von Osten die Avenue einmündete, die den Tempel mit dem ca. 2 km entfernten Fluss verband.

Zerstörungen

Als in der Regierungszeit Jayavarmans VII. (1181–c. 1220) Angkor Thom gebaut wurde, verlor der Phnom Bakheng seinen nördlichen Wassergraben. Die südliche Ausfallstraße zerstörte den Eingangsbereich des Tempels. Jetzt steht der Hügel an der Straße wie ausgebremst. Jenseits der Sraße steht noch Rong Lmong, der unsprünglich im Außenbereich des Tempels stand.

Im 16. Jahrhundert wurde die Pyramide in ein buddhistisches Heiligtum verwandelt. Auf der obersten Plattform wollte man dazu eine nach Osten orientierte Kolossalstatue des sitzenden Buddhas errichten. Vom zentralen Turm blieb der Rumpf stehen; die beiden östlichen Ecktürme wurden so weit abgetragen, dass ihre Reste in den Knien verschwanden, und die beiden westlichen Ecktürme verschwanden ganz. Die Statue wurde aus losen Blöcken aufgeschichtet, so dass die Sache bald unstabil wurde und aufgeben werden musste.

Henri Mouhot (1860): „Die Mitte der Terrasse, die die oberste Stufe der Pyramide bildet, ist nur eine wirre Masse von Trümmern eingestürzter Türme.“ (Mouhot, S. 303.)

Die Trümmer wurden bei der Restaurierung abgeräumt.

Panorama

Von der Pyramide aus ist ganz Angkor zu sehen:

  • Nach Norden liegt Angkor Thom,
  • nach Südosten Angkor Wat,
  • nach Westen der Westliche Baray,
  • im Osten, ca. 13 km, der Phnom Bok,
  • im Süden, ca. 14 km, der Phnom Krom,
  • im Norden, ca. 25 km, der Phnom Dei.
  • Weiter im Norden ist bei klarer Sicht der breite Rücken des Phnom Kulen zu erkennen, im Süden der Tonlé Sap.

Phnom Krom, Phnom Bok und Phnom Dei tragen Tempel, die Yasovarman I. etwa gleichzeitig mit Phnom Bakheng gebaut hat. Phnom Bok und Phnom Krom sind ebenso oben abgeflacht wie Phnom Bakheng. Diese Tempel markieren die Ränder der neuen Hauptstadt. Den westlichen Außentempel hat man noch nicht identifiziert.

Exkurs: Das Reich Yasovarmans I.

Yasovarman baute auch Tempel in Preah Vihear, ca. 150 km im Nordosten, Huei Thamo bei Wat Phu in Laos, und Phnom Wan in Thailand.

Restaurierung

Die Sandsteinblöcke sind trocken vermauert und nicht Stein auf Fuge. Seit 2008 und noch bis 2018 wird die Pyramide saniert.

Besuch

Es empfiehlt sich, vor dem Phnom Bakheng den Bakong anzusehen; er ist in vielem ähnlich, aber fast unzerstört.

Am schönsten ist der Kutschenweg* auf der Nordseite, rechts vom Eingang. Unterwegs überqueren Sie die Nord- und die Ost-Treppe. Sie stoßen auf die Pyramide an der Südwest-Ecke.

Die Pyramide ist jetzt eine Baustelle.

Gehen Sie erst einmal nach Osten weiter um die Pyramide von vorne zu sehen. Von dort kann man auch die Pyramide von Angkor Wat und ein Stück vom Wassergraben sehen.

Nehmen Sie sich dafür genug Zeit. Am späteren Nachmittag kann es knapp werden, weil es für die Pyramide nur 300 Platzkarten gibt.

Die Zeit: ganztägig; wenn Sie den Sonnenuntergang sehen wollen und nicht hetzen, sollten Sie nicht viel später als um 14 Uhr losgehen. Fragen Sie Ihren Fahrer.

(* Gebaut für Filmaufnahmen.)

Quellennachweis

LIDAR-Kate: Damian Evans / Journal of Archaeological Science. Mit freundlicher Genehmigung des Auors.

Bilder-Galerie

  • Grafische Rekonstruktion (Bruno Levy)
    Grafische Rekonstruktion (Bruno Levy)
  • Pyramide von Osten
    Pyramide von Osten
  • Tuerme auf der 5. und 4. Stufe der Pyramide
    Tuerme auf der 5. und 4. Stufe der Pyramide
  • Loewen bewachen die Nord-Treppe
    Loewen bewachen die Nord-Treppe
  • Obere Plattform von Osten
    Obere Plattform von Osten
  • Zentraler Turm von Westen. Im Hintergrund Reste der oestlichen Tuerme.
    Zentraler Turm von Westen. Im Hintergrund Reste der oestlichen Tuerme.
  • Devata an der Ruine des nord-oestlichen Turms
    Devata an der Ruine des nord-oestlichen Turms
  • Ruine des sued-oestlichen Turms
    Ruine des sued-oestlichen Turms
  • Linga mit Yoni in der Ruine des nord-westlichen Turms
    Linga mit Yoni in der Ruine des nord-westlichen Turms
  • Blick auf Angkor Wat
    Blick auf Angkor Wat
  • Sued-oestlicher Feuer-Schrein
    Sued-oestlicher Feuer-Schrein
  • Deckengewoelbe im nord-oestlichen Feuer-Schrein
    Deckengewoelbe im nord-oestlichen Feuer-Schrein
  • Geborgene Buddha-Statuen im sued-oestlichen Feuer-Schrein
    Geborgene Buddha-Statuen im sued-oestlichen Feuer-Schrein
  • Blick vom Parkplatz auf den Huegel (SS)
    Blick vom Parkplatz auf den Huegel (SS)
  • Prasat Rong Lmong
    Prasat Rong Lmong
  • Loewe am Fuss der Nord-Treppe des Huegels
    Loewe am Fuss der Nord-Treppe des Huegels
  • Blick auf die Baustelle von Sueden
    Blick auf die Baustelle von Sueden
  • Zerstoerter Teil der 2. Stufe
    Zerstoerter Teil der 2. Stufe
  • Suedost-Ecke der Pyramide
    Suedost-Ecke der Pyramide