Die Tempel von Angkor.

Mit Koh Ker, Preah Vihear, Sambor Prei Kuk und Banteay Chhmar  

Die wichtigtsen Tempel im Überblick

A Ahnen-Tempel, P Pyramiden-Tempel.

Bakong

Shiva

P

Geweiht 881.

Der erste große Pyramiden-Tempel.

Preah Ko

Shiva

A

Geweiht 779.

Beide Ahnen-Tempel bieten hervorragende Reliefs. Preah Ko ist außerdem frisch gereinigt. 

Lolei

Shiva

A

Geweiht 893 

Hier sind die Sandstein-Reliefs noch schöner. Dazu gibt es kalligrafische Inschriften.

Phnom Bakheng

Shiva

P

Gegen 900.

Dieser Pyramiden-Tempel ist der Kern der neuen und endgültigen Hauptstadt. Er umschließt einen ganzen Hügel. Er wurde stark zerstört. Die Ruine der Pyramide ist sehenswert und ein exzellenter Aussichtspunkt. Sehr schön bei Sonnenaufgang, bei Sonnenuntergang überlaufen.  

Phnom Krom

Shiva

Gegen 900

Steht auf einem Hügel über dem Tonlé Sap; Schöner Sonnenuntergang. Der Besuch lässt sich mit einer Tour auf dem See verbinden.

Baksei Chamkrong

Shiva

S

Frühes 10. Jahrhundert

Ein kleiner eleganter Tempel am Fuß des Phnom Bakheng

Östlicher Mebon

Shiva

Geweiht 952

Der Tempel steht auf einer gemauerten Insel im Zentrum des ausgetrockneten Östlichen Baray. Besonderheit: die Elefanten.

Pre Rup

Shiva

P

Geweiht 961

Die erste steile Pyramide.

Ta Keo

Shiva

P

Um 1000.

Die erste steile Pyramide aus Sandstein.

Baphuon

Shiva

P

Mitte des 11. Jahrhunderts.

Der größte Shiva-Tempel in Angkor, jetzt eine Ruine.

Angkor Wat

Vishnu

P

1. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Der größte Tempel der Welt, wurde im 16. Jahrhundert von Buddhisten übernommen. Steht in freundlicher Nachbarschaft des Phnom Bakheng.

Thommanon

Buddhistisch

 

1. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Buddhistischer Flach-Tempel mit markantem Turm.

Ta Prohm

Buddhistisch

A

Geweiht 1186.

Prachtvolle Kloster-Universität. Berühmt für Wurzeln.

Preah Khan

Buddhistisch

A

Geweiht 1191.

Weiträumige Kloster-Anlage. Internationales Zentrum der Heilkunst.

Bayon

Buddhistisch

Ende 12. bis 13. Jahrhundert.

Komplexer Tempel mit 51 erhaltenen Türmen und 173 Gesichtern des Bodhisattva Avalokiteshvara.

Angkor Thom

Buddhistisch

Ende 12. bis Anfang 13.

Die Umfassungsmauer des Bayon, 3 mal 3 km, umrahmt eine Stadt in der Stadt, zugänglich durch fünf Tore.

Banteay Srei

Shiva

 

10. bis 12. Jahrhundert

Ein Tempel von besonderem Reiz, wunderschön und gut erhalten. 20 km nördlich von Angkor.

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Beng Mealea

Buddhistisch

F

1. Hälfte des 12. Jahrhunderts

Tempel-Stadt am Ost-Fuß des Phnom Kulen, stark zerfallen.

Peung Komnou

Hinduistisch

 

11. Jahrhundert

Einsiedelei mit eindrucksvollen Reliefs am Ost-Fuß des Phnom Kulen.

Spean Thma

 

 

15. Jahrhundert

Ruine einer Brücke östlich von Angkor Thom. Hier kann man sehen, wie die Erosion Angkor zerstörte.

Tonle Sap

 

 

 

Der „Große See“ im Süden von Angkor.

Abkürzungen bei den Tempel-Profilen

D Datum, F Funktion, H Herrscher, K Kult, L Lage, O Orientierung 

Alle Tempel

Abriss der Geschichte

Anfänge

Die Khmer, das Volk von Kambodscha, lebten ursprünglich in den Ebenen entlang des Mekong und Tonlé Sap als Reisbauern und Fischer. Ihre Häuser aus Holz, Bambus und Blättern stehen auf Pfählen.

Chinesen

Die Kaiser von China sandten seit dem vierten Jahrhundert immer wieder Kundschafter, die über die Khmer berichteten und Handelsbeziehungen aufbauten. China bezog aus Kambodscha Naturprodukte wie Eisvogelfedern, Elefantenzähne, Rhinozeroshörner, Bienenwachs, Palisander, Gummigutt und Gummilack (Harze), Chaulmoogra-Öl und Pfeffer.

Chinesische Gesandte haben ausführlich über das Land berichtet. Sie nannten es erst Funan, wohl abgeleitet von dem khmer Wort phnom, „Berg, Hügel“, und später Zhenla, vielleicht eine Übersetzung von Kambuchea, „Kambodscha“.

Indianisierung

Etwa im zweiten Jahrhundert nach Christus gelangten indische Seefahrer, Händler, Prinzen und Brahmanen den Mekong aufwärts nach Kambodscha.

Sie brachen ihre Religionen mit. Die Händler waren überwiegend Buddhisten, die Prinzen und Brahmanen Hinduisten.

Sie nahmen friedlichen Kontakt mit örtlichen Dorf- und Stammesfürsten auf.

Was die Inder mitbrachten:

  • Buddhismus.
  • Hinduismus mit Mythologie und dem Kult von Shiva sowie Vishnu.
  • Sanskrit, von dem viele Wörter in die Sprache der Khmer eingingen.
  • Die Schrift.
  • Das Konzept des Tempels, sowie das Bauen mit Ziegel- oder Sandstein.
  • Darstellung des Buddha und der Götter in Reliefs und Statuen.
  • Feuerbestattungen
  • Rechteckige, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtete Baukomplexe.
  • Systeme künstlicher Bewässerung, mit Speicherbecken und Kanälen.
  • Töpfern mit der Drehscheibe.

Alle diese Einflüsse sind mehr oder weniger tief in das Wesen und den Alltag Kambodschas eingedrungen.

Eine Legende

Soma war die Tochter des Naga-Königs, „berühmt für ihre Kraft und Heldentaten“. Kaundinya, ein Prinz, kommt aus Indien und landet mit seinem Schiff an der Mündung des Mekong. Die Götter haben ihm eine Waffe geschenkt, die ihm unüberwindbare Stärke gibt. Soma kämpft an der Spitze ihrer Amazonen-Armee gegen ihn, kann ihn aber nicht bezwingen. Schließlich verlieben sie sich ineinander, und der Naga-König verheiratet sie. Er schluckt das Wasser hinunter, legt das Land trocken, damit das Paar und seine Nachkommen dort siedeln können und erschafft so Kambodscha. So wird Kaundinya König des Landes, das seiner Frau gehört.

Stammesfürsten und regionale Könige

Im frühen siebten Jahrhundert verschob sich die politische Macht vom Mekong-Delta ins Landerinnere. Landwirtschaft wurde wichtiger als Handel.

Angkor Borei und Sambor Prei Kuk waren Hauptstädte regionaler Königreiche. (Vor Jayavarman II. gab es in Kambodscha nur regionale Fürstentümer, also auch kein Reich Funan oder Zhenla.)

Bilder

Kamodschanisches Haus, Zeichnung von H. Mouhot, um 1860.

Kaundinya (verittert) kämpft gegen Soma und ihre Amazonen, Angkor Wat.

Tempel-Turm in Sambor Prei Kuk

     

  • Mouhot
    Mouhot
  • Kaundinya
    Kaundinya
  • Sambor Prei Kuk
    Sambor Prei Kuk

Angkor im Überblick 1

Jayavarman II.

Anfangs des 9. Jahrhunderts vereinigte König Jayavarman II. Kambodscha unter seiner Herrschaft und erklärte es unabhängig von Java. (Wo er herkam und was mit „Java“ gemeint war, ist nicht klar.)

Er hatte eine Reihe von Frauen geheiratet, was ihm die Herrschaft über deren Länder einbrachte.

Er ließ sich als „Herrscher der Welt“ ausrufen.

Zugleich wurde er „König der Götter“; diese „Götter sind die Geister der Ahnen, denen das Land gehört, er ist nicht „Gott-König“.

Die Könige bauten Pyramiden-Tempel zu Ehren des Hindu-Gottes Shiva, den zum Oberherren der Welt erklärten und in dessen Namen sie Kambodscha regierten.

Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert war Angkor die Hauptstadt des Reiches der Khmer, das die Südostasiatische Halbinsel dominierte, und das Herz einer einzigartigen  Kultur.

Bakong (881), Preah Ko (879), Lolei (893)

Im Südosten von Angkor stehen der erste Pyramiden-Tempel und zwei Ahnen-Tempel.

Phnom Bakheng (um 900)

Der zweite Pyramiden-Tempel schließt einen ganzen Hügel im Zentrum von Angkor ein; er wurde zweimal zerstört.

Baksei Chamkrong (947) ist ein kleiner Pyramidentempel am Fuß des Phnom Bakheng.

Prasat Kravan (921) ist ein Privat-Tempel mit einzigartigen Backstein-Reliefs.

Im 10. Jahrhundert war die Hauptstadt vorübergehend in Koh Ker, 90 km nord-östlich von Angkor.

     

  • Bakong
    Bakong
  • Preah Ko
    Preah Ko
  • Lolei
    Lolei
  • Phnom Bakheng
    Phnom Bakheng
  • Baksei Chamkrong
    Baksei Chamkrong
  • Prasat Kravan
    Prasat Kravan
  • Koh Ker
    Koh Ker

Angkor im Überblick 2

Vom Östlichen Mebon zum Königs-Palast

Mit dem Östlichen Mebon (952) und Pre Rup (961) ist die Hauptstadt wieder in Angkor.

Banteay Srei (968) ist ein prächtiger Privat-Tempel, 25 km nördlich von Angkor

Ta Keo (1007) und Baphuon (1060)  sind die ersten Kolossal-Tempel.

Um 1000 wird der Königspalast ausgebaut mit dem Phimeanakas, davor liegt der Große Platz, gerahmt von zwei Khleang und zwölf Prasat Suor Prat.

   

   

  • Oestlicher Mebon
    Oestlicher Mebon
  • Pre Rup
    Pre Rup
  • Banteay Srei
    Banteay Srei
  • Ta Keo
    Ta Keo
  • Baphuon
    Baphuon
  • Phimeanakas
    Phimeanakas
  • Blick von der Terrasse des Lepra-Koenigs zu den Prasat Suor Prat
    Blick von der Terrasse des Lepra-Koenigs zu den Prasat Suor Prat

Angkor im Überblick 3

Angkor wird die – bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert – flächengrößte Stadt der Welt. Die Metropole war größer als heute die Stadt Berlin und hatte bis zu eine Million Einwohner.

Angkor Wat (erste Hälfte des 12. Jahrhunderts) wurde der größte Tempel der Welt. 

Thommanon, Banteay Samré und Beng Mealea sind buddhistische Flachtempel im Stil von Angkor Wat.

 

  

  • Angkor Wat
    Angkor Wat
  • Thommanon
    Thommanon
  • Banteay Samre
    Banteay Samre

Angkor im Überblick 4

Im späten 12. Jahrhundert gab es einen Umbruch: der Buddhismus wurde führende Religion. Gebaut wurden Bayon mit Angkor ThomTa ProhmPreah Khan und unzählige weitere Tempel.

Die übermäßige Bautätigkeit führte zu einer Überlastung des Bewässerungssystems und damit zum Zusammenbruch der Hauptstadt.

Ta Prohm (1186) und Preah Khan (1191) sind die größten aus einer Reihe buddhistischer Tempel im Bayon-Stil.

Bayon (spätes 12. bis 13. Jahrhundert) ist ein buddhistischer Staats-Tempel und ein Wunderwald aus Gesichter-Türmen.

Angkor Thom ist die äußere Umfassungs-Mauer des Bayon mit fünf Toren und das neue Palast-Viertel der Hauptstadt.

Die Terrasse des Lepra-Königs (13. Jahrhundert) zeigt einmalige Reliefs.

Spean Thma (16. Jahrhundert) ist die Ruine einer Brücke; sie führt uns die ökologische Katastrophe vor Augen, der Angkor zum Opfer fiel.

 

Mehr auf der Seite Tempel

    

  • Ta Prohm
    Ta Prohm
  • Preah Khan
    Preah Khan
  • Bayon
    Bayon
  • Terrasse des Lepra-Koenigs
    Terrasse des Lepra-Koenigs
  • Spean Thma
    Spean Thma

Das Ende von Angkor

Ab dem späten 13. Jahrhundert brachen das Bewässerungs-System und damit die Versorgung mit Reis zusammen. König, Hof, Brahmanen, Priester, Beamtenschaft und Behörden zogen nach und nach weg, in den Süden von Kambodscha. Örtliche Handwerker verloren ihre Aufträge.

Mit den Priestern verschwinden die Kulte. Die Tempel, die hinduistischen Götter und buddhistischen Bodhisattvas wurden verlassen und vergessen.

Der Theravada-Buddhismus gewann an Einfluss und ist jetzt die dominierende Religion. In Angkor Wat ließ sich ein Kloster nieder.

Das 14. und 15. Jahrhundert ist eine dunkle Zeit, über die wir so gut wie nichts wissen. Der angebliche Angriff der Siamesen von 1431 ist fiktiv.

Erst im 16. Jahrhundert wird Angkor Wat, damals Brah Bishnulok, „Heiliger Ort Vishnus“, wieder wahrgenommen.

Henri Mouhot besuchte (nicht: „entdeckte“!) 1860 Angkor Wat, und sein Bericht darüber machte die Tempel von Angkor mit einem Schlag in der westlichen Welt berühmt.

Der Ethnologe Adolf Bastian besuchte Angkor kurz darauf. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Einheimischen die Tempel für verlassene Paläste hielten und entsprechende Legenden darüber erzählten. Die Steine dieser Ruinen dienten und dienen als Baumaterial. Verschleppte Statuen von Göttern verkörpern jetzt Ahnengeister und werden entsprechend verehrt.

Bald nach 1900 begann die Konservierung von Angkor, vor allem der „Monumente“. Aus einem Ort der Geschichte wurde  ein archäologischer Park, jenseits von Raum und Zeit. Angkor wurde für den Tourismus konfektioniert. Reiseführer taten ein Übriges.

N. Lewis berichtet um 1950, dass sein einheimischer Führer sich nicht traute, nachts mit ihm nach Angkor zu gehen; er fürchtete Neak Ta Eysaur und Neak Ta En, die Geister von Shiva und Indra.

Das indische Epos Ramajana kennen die Khmer buddhistisch überformt als Reamker oder Reamkeerti, „Der Ruhm von Ram“.

Die Khmer lernen in der Schule  nichts über ihre große Geschichte.

Angkor ist immer noch, wie Roland Fletcher sagt, als ein Platz zu erschließen, wo einmal Menschen lebten.

Entdecken wir es!

Literatur

  • Bastian, S. 57–221.
  • Lewis, S. 233.
  • Coe, S. 195–224.
  • Falser

Foto-Galerie

  1. Animistische Steinsetzungen, Phnom Bakheng.
  2. Ahnen-Schrein, Prasat Tor.
  3. Statisten in Ramajana-Kostümen, Angkor Wat.

   

  • Phnom Bakheng
    Phnom Bakheng
  • Prasat Tor
    Prasat Tor
  • Angkor Wat
    Angkor Wat