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Glossar

Wörter aus dem indischen Sanskrit haben in Angkor oft eine abweichende Bedeutung.

A

Achar
„Lehrer“, buddhistisch-animistischer Schamane.

Achsen
Um die Welt in Harmonie mit dem Universum zu bringen, werden alle Bauten nach den Himmelsgegenden – Norden, Osten usw. – ausgerichtet; die Achsen betonen diese Ausrichtung.

Agni
„Feuer“, Gott des Feuers, Hüter des Südostens, Reittier Nashorn.

Ahnen-Kult
 Die Verehrung der Ahnengeister, Neak Ta, ist die traditionelle Religion der Khmer;
Ahnen-Schreine sind überall zu sehen.

Ahnen-Tempel
Tempel zu Ehren der Vorfahren des Königs.

Airavan, Airavana, Airarvata
Weißer Elefant mit ein oder drei Köpfen, Reittier Indras.

Angkor, Nokor
„Ort“, abgeleitet von dem Sanskrit-Wort Nagara, „Stadt“. Das Wort A., bedeutet in Khmer „Ort“  und nicht „Stadt“. Angkor Thom ist der „Große Ort“, Angkor Wat der „Ort des Klosters“.
Der Name A. steht für die Hauptstadt, eigentlich Yasodharapura, das Reich der Khmer und ihre überlieferte Kultur sowie für dessen zentralen Bereich.

Angkor Conservation
Ein Depot mit über 5000 Statuen, Stelen und Reliefs in Siem Reap.

Apsaras
Nymphen, himmlische Tänzerinnen, geboren aus dem Milchmeer zum Vergnügen der Götter.
Die Devatas von Angkor werden gemeinhin mit den A. verwechselt.
In der kambodschanischen Umgangssprache ist eine A. eine Person von zweifelhaftem Ruf.
Die APSARA Authority verwaltet das Gebiet von Angkor.

Arjuna

Ein mythologischer König, Sohn der Gottes Indra und Freund Krishnas, außerdem legendärer Bogenschütze.

Avalokiteshvara
„Der Herr, der  die Welt   betrachtet“ oder „Der Wahrnehmer der Klagen“, Bodhisattva des universellen Mitgefühls.  Der Dalai Lama gilt als Wiedergeburt des A.   Siehe auch Lokeshvara.

Avenue 
Die Prachtstraße, über die der König in den Tempel einzieht.

B

Balaha
Inkarnation des Bodhisattva Avalokiteshvara als fliegendes Pferd; er rettet schiffbrüchige Kaufleute.

Bali
 Dämonen-König. Vishnus Drei Schritte  gegen B. lösen einen endlosen Kampf Vishnus gegen Dämonen aus.

Banteay
„Festung“, Tempel mit einer Umfassungs-Mauer

Barays
Nicht eingetiefte rechteckige Wasserbecken, von Erd-Dämmen eingerahmt.

Berg Govardhana
Als Indra die Hirten mit einem Unwetter vernichten will, hebt Krishna den Berg G. hoch und beschützt darunter Hirten und Herden.

Berg Kailasha
Die Residenz Shivas, unerreichbar fern im Himalaya gelegen.

Berg Mandara
Eine Insel im Urmeer

Berg Maniparvata
Der Gipfel des Berges Mandara.

Berg Meru
Berg in der Mitte der Welt; auf seinen fünf Gipfeln, die in den Himmel ragen, wohnen die Götter.

„Bibliotheken“
Siehe Feuerschreine.

Bildersturm
Zerstörung von buddhistischen Reliefs und Statuen in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Bodhi
„Erwachen“

Bodhisattvas
„Erleuchtungswesen“, zukünftige Buddhas oder Erleuchtete, die wiedergeboren worden sind. Sie sind eigentlich zugleich männlich und weiblich. Siehe Avalokiteshvara, Lokeshvara.

Brahma
Einer der drei Hauptgötter des Hinduismus. Er hat vier Gesichter und vier Arme. In der  Trimurti ist er der Schöpfer der Welt. Seine Gemahlin ist Sarasvati.  Sein Reittier ist Kamsa.

Buddhismus
Die Lehre des Buddhas kam mit der Indisierung nach Kambodscha. Bis ins 12. Jahrhundert bestanden in Angkor B. und Hinduismus friedlich nebeneinander; einige Könige waren privat Buddhisten und verehrten gleichzeitig Shiva als Nationalgott. Erst mit Jayavarman VII.  1181–ca. 1220   wurde der Buddhismus vorübergehend Staatsreligion. Das führte zu Konflikten.  Siehe Bildersturm.

C

Cella

Zentraler Raum eines Turms, Schreins oder Tempels

D

Dämonen
Gegenspieler der Götter, meistens in Menschengestalt.

Devatas
Bilder von Göttinnen als Wächterinnen und Schmuck von Tempeln, siehe Apsaras.

Dhanvantari
Der Arzt der Götter. Er trägt beim Quirlen des Milchmeers das Elixier der Unsterblichkeit.

Dvarapalas
Bilder von Göttern oder Dämonen als Wächtern von Tempeln

E

Einfriedungen
Konzentrische E., Umfassungs-Mauern oder Galerien werden von innen nach außen gezählt, in römischen Ziffern  I., II. usw. Jeder Tempel hat mindestens eine E.

Elefanten
Symbole von Beständigkeit. Sie bewachen die Ecken der Pyramiden.

F

Feuerschreine
Schreine mit Luftöffnungen, in denen Opfergaben verbrannt wurden; sie sind immer zum zentralen Heiligtum ausgerichtet. In Angkor werden sie oft „Bibliotheken“ genannt.

G

Galerien
Lange überwölbte Hallen.

Ganesha
„Herr der Scharen“, „Herr der Hindernisse“, elefantenköpfiger Sohn Shivas, Glücks-Gott, Anführer von Shivas Gefolge. Reittier Ratte.

Garuda
König der Vögel, Mischwesen mit menschlichem Körper, Adler-Kopf, Krallen und Flügeln. Reittier Vishnus. In Angkor symbolisiert er, zusammen mit Vishnu, das Licht des Himmels und die Kultur. Er wird damit zum Gegenspieler des Nagas, der die Erde und die Natur vertritt. G. wird immer wieder als Todfeind des Nagas dargestellt, aber in Angkor sind die beiden eher wie streitende Partner.

Gopura
Tor-Turm oder -Pavillon

„Gott-Könige“
Die Könige von Angkor waren nicht Gott-Könige! Der Sanskrit-Ausdruck Devaraja bedeutet „König der Götter“, mit diesen Göttern sind die örtlichen Schutzgeister gemeint. Siehe auch Könige.

H

Hamsa
Wildgans. Reittier Brahmas. Ein Fries von H. unter Figuren, Fahrzeugen oder Palästen lässt diese durch die Luft oder in den Himmel fliegen.

Hanuman
Weißer Affen-General im Dienst des Königs der Affen.

Harihara
hinduistischer Gott, halb Vishnu (Hari), halb Shiva (Hara).

Hariharalaya
Die erste Hauptstadt von Angkor, nahe dem heutigen Dorf Roluos

Hauptstädte
In Angkor nennt man H. Komplexe königlicher Bauten wie Baray, Staats-Tempel, Ahnen-Tempel und Königs-Palast. Die H. von Angkor waren nacheinander Hariharalaya und Yasodharapura. Angkor Thom war eine „Stadt in der Stadt“ und in diesem Sinn keine Hauptstadt.

Hinduismus
Eine Gruppe von Religionen indischen Ursprungs, die vorherrschende in Angkor ist der Shiva-Kult.

I

Indra 
„Der Mächtige“, entmachteter Götter-König, Herr des Wetters, Hüter des Ostens, Reittier Airavan.

Inschriften
Sie stehen auf Türrahmen und Stelen, also in Tempeln. Stelen werden gewöhnlich in der Angkor Conservation aufbewahrt. Da alle Palmblatt-Manuskripte verloren gegangen sind, bilden I. das einzige Archiv der Geschichte Angkors. Aber sie liefern keine Chronik.
Die Schrift ist vom indischen Pallava-Alphabet abgeleitet und entwickelte sich über die Jahrhunderte.
Die Sprache ist Sanskrit oder Khmer. Sanskrit-Texte sind gewöhnlich in Versen und Anrufungen hinduistischer Götter oder des Buddhas, gefolgt von einer Lobrede auf den König oder Stifter des Tempels. Die hier genannten Vorfahren sind nicht unbedingt authentisch, aber umgekehrt kann man annehmen, dass ein König, der in vielen Inschriften genannt wird, Ansehen hatte.
Inschriften nennen das exakte Datum der Weihe des Tempels, und nicht die Bauzeit.
Einige dieser Sanskrit-Inschriften gehören zur besten indischen Literatur ihrer Epoche.
Khmer-Inschriften regeln weltliche Angelegenheiten wie den Besitz eines Tempels.
(Nach Freeman/Jacques, S. 38 f.)

K

Kala
„Zeit“. Die Zeit, die unaufhaltsam alles verschlingt. Als ein Dämon den Shiva angriff, ließ dieser seinem dritten Auge ein Ungeheuer entspringen, das den Dämon verschlingen sollte. Der Dämon unterwarf sich Shiva, und dieser befahl dem Ungeheuer sich selbst aufzufressen. K. wird in Angkor als eine Fratze ohne Unterkiefer dargestellt.

Kaundinya
Legendärer Gründer-König Kambodschas. Siehe Soma.

Khleang
„Schatzhäuser“, Tempel-artige Bauten am Großen Platz vor dem Königs-Palast.

Khmer
Das Staatsvolk von Kambodscha, seine Sprache und Schrift.

Ko
„Kuh“, „Rind“.

Kolonnaden
Hallen mit Ziegeldach, eigentlich Pfeiler-Kolonnaden

Könige
Die K. von Angkor herrschen über die  Khmer-  Welt im Namen Shivas, von Ende des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts im Namen des Buddhas.

Krishna
„Der Dunkle“, Inkarnation Vishnus.

L

Lakshmi
„Glück, Schönheit, Reichtum“. Gemahlin Vishnus, gerühmt für ihre strahlende Schönheit.

Laterit
Ein Ablagerungs-Gestein. Blöcke werden aus dem Boden geschnitten und an der Luft getrocknet. L. ist steinhart und kann auch poliert werden.

Lintel
„Türsturz“. Relief-geschmückter oberer Türrahmen.

Löwen
Der L. ist in den Tropen nicht heimisch; die L.-Statuen in Angkor sind also Fantasie-Wesen. L. sind Wächter an Eingängen und Treppen.

Lokeshvara
„Herr der Welt“. Den Titel L. erhielt Avalokiteshvara, als dieser in der Bayon-Zeit dem Shiva ähnlich gemacht werden sollte. Siehe auch Bildersturm.

M

Mandapas
Hallen vor der Eingangsseite von Türmen.

Mebon
Tempel auf einer künstlichen Insel in einem Baray

N

Naga
„Schlange“. Der N. erscheint in Angkor in Form von Kobra-ähnlichen Schlangen mit fünf bis neun Köpfen.
Als Gott und König der Unterwelt residiert er in der tiefsten Tiefe oder am Boden von Gewässern.
Die Tochter des Naga-Königs heiratet einen indischen Prinzen und wird zur Stamm-Mutter des Volks der Khmer.
Der Buddha wird in Angkor gewöhnlich auf einem gerollten Naga thronend dargestellt.

Nandi
„Der Glückliche“. Göttlicher Buckelstier, Reittier Shivas.

Neak Ta
„Alte Leute“, die Geister der Vorfahren, örtliche Schutzgeister, ihnen gehört der Boden.

Neriphal
„Frucht-Frau“, kleine Figur in Laubwerk.

P

„Pagoda“
„Turmartiges Bauwerk“. Gängige Bezeichnung von zeitgenössischen Tempeln oder Klöstern.

Paläste
P. waren in Angkor aus vergänglichen Materialien erbaut und sind verschwunden.
Die Khmer halten alte Tempel für ehemalige P.
Hallen, die einen Hof umrahmen heißen auch P.

Pali
Traditionelle Sprache des Buddhismus.

-parvata
„Berg“

Phnom
„Berg“ oder „Hügel“.

Prasat
„Turm“,historisches Heiligtum, Tempel oder Schrein.

Preah
„Heilig“

Privat-Tempel
Tempelbau war in Angkor Privileg des Königs, er konnte hochrangigen Würdenträgern die Erlaubnis zum Bau von P.  gewähren.

-pura
„Hauptstadt“

Pushpaka
Ein mystisches Fluggerät, von Hamsas getragen.

Q

Quincunx
Anordnung von fünf Türmen in der Mitte und in den vier Ecken einer Plattform.

R

Rama
Inkarnation von Vishnu. Seine Geschichte, im Wesentlichen sein Kampf gegen Ravana, wird im Ramayana erzählt. Seine Gemahlin ist Sita. Auf Khmer: Preah Ream.

Ravana
Dämonen-König, Gegenspieler Ramas.

Reachisey
Fabelwesen des Wassers.

Rishis
Seher, mythische Weise.

Roluos
Ein Dorf im Südosten von Angkor, siehe Hariharalaya.

S

Sanskrit
Alt-indische Sprache

Scheintüren
Relief-Darstellungen von geschlossenen Türen.

Schreine
Heiligtümer in einem Tempelkomplex oder kleine Andachtsstätten.

Sema-Steine
Steine, die in Paaren buddhistische Heiligtümer umgeben.

Shakti
„Kraft“, „Energie“, die weibliche Urkraft des Universums, verkörpert in den Göttinnen. (Wikipedia deutsch). In der vor-angkorianischen Zeit, bis etwa zum 7. Jahrhundert, gab es zahlreiche Durga-Statuen, die auf einen Shakti-Kult hinweisen. In Angkor spielte er keine Rolle mehr.

Shiva
„Glücksverheißender“. Nach der in Angkor herrschenden Richtung des Hinduismus ist er der die „höchste Manifestation des Einen. Er verkörpert Schöpfung, Neubeginn, Erhaltung und Zerstörung.“  
In der Trimurti, „Dreiheit“,  mit Vishnu und Brahma ist er der Hauptgott.

Shivapada
„Fußabdruck Shivas“. Der S. ist ein mythologisches Siegel, das die Oberherrschaft Shivas an einem Ort bezeugt.

Siam
Thailand hieß bis 1939 Siam.

Sita
„Ackerfurche“,  Inkarnation von Lakshmi, Gemahlin Ramas.

Skanda
Sohn Shivas, Gott des Krieges, Reittier Pfau.

Soma
„Mond“, Tochter des Naga-Königs.

Spean
„Brücke“.

Staats-Tempel
Der Tempel, in dem der König Shiva,  Vishnu oder den Buddha anbetet. S. sind Pyramiden-Tempel.

Stupas
Geheiligte buddhistische Bauwerke. S. symbolisieren die Lehre des Buddhas. Besucher wenden S. die rechte Seite zu. 

T

Ta
„Großvater“, Ahne, respektvolle Anrede für einen älteren Mann

Theravada-Buddhismus
Die Staats-Religion in Kambodscha etwa seit dem 13. Jahrhundert.

Tempel
„Feld“, das einem Gott geweihte Areal. Im Kern gehört zum T. ein Turm, ein Feuerschrein, eine Umfassungsmauer und/oder ein Wassergraben mit einem Tor.

Tevodas
T. sind im Volksglauben der Khmer eine Art Schutzengel.

Trapeang
Schmal-rechteckige Wasserbecken, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, gewöhnlich vor der Ostseite von Tempeln.

Trimurti
„Drei Formen“.
Am Anfang war Shiva ungeteilt. Bei der Erschaffung der Welt entfaltete er sich in Brahma, Vishnu, und Shiva selbst. Am Ende des Zeitalters wird er wieder ungeteilt zu Shiva.  (Nach S. Sahai.)
Die T. kann in anderen Formen des Hinduismus auch Vishnu oder Brahma im Zentrum haben. 

Türme
T. sind Abbilder des mythologischen Berges Meru, dessen fünf Gipfeln entspricht ihr Aufbau in fünf Stufen; die oberen Stufen sind proportional verkleinerte Wiederholungen der Grundstufe. Da der Berg Meru die Mitte der Welt ist, haben Türme einen quadratischen Grundriss mit vier gleichen Fronten; an die Stelle der Eingangstür treten Scheintüren.

U

Uma
Gemahlin Shivas.

Umfassungsmauern
Siehe Einfriedungen

V

-varman
„Rüstung“,„Beschützter“, „Schutz“, Endung von Herrschernamen. Indravarman ist also „der von Gott Indra Beschützte“.

Vihara, Vihear
„Zufluchtsort“, Versammlungshalle der Mönche in einem Kloster.

Vishnu
Hinduistischer Gott. Erhalter der Welt. Reittier Garuda. Seine wichtigsten Inkarnationen sind Krishna und Rama. Siehe auch Trimurti.

W

Wassergräben
Siehe Einfriedungen.

Wat
„Kloster“.

Y

Yasodharapura
Die zweite Hauptstadt von Angkor.

Yeay
„Großmutter“, respektvolle Anrede für eine ältere Frau.

Z

Zhou Daguan
Er lebte 1296–97 als chinesischer Gesandter in Angkor Thom und schrieb darüber einen detaillierten Bericht. „Viele Einzelheiten über Angkor stellt er richtig dar (wenn auch einige wenige falsch). Und er überzeugt uns davon, dass er das meiste, was er uns erzählt, selbst gesehen hat.“ (Peter Harris). Seine Aufzeichnungen sind der einzige Augenzeugenbericht, den wir aus dem alten Angkor kennen.
Die einzige zuverlässige Übersetzung (ins Englische) stammt von Peter Harris, Chiang Mai 2007.