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Was die Tempel erzählen

In ihrem ursprünglichen Zusammenhang gesehen, erzählen die Tempel ihre Geschichte.

      

Die Tempel von Angkor stehen in der Nähe der Stadt Siem Reap im Nordwesten Kambodschas.

Angkor war die Hauptstadt eines Reiches. Die Metropole erstreckte sich über ca. 40 km Ost-West und 25 km Nord-Süd. Nur Tempel wurden aus Stein gebaut, Häuser und Paläste waren aus Holz und sind verschwunden.

Die Geschichte von Angkor zerfällt in die Shiva-Epoche (9. bis Mitte des 12. Jahrhunderts) und die Bayon-Epoche (Spätes 12. bis 13. Jahrhundert)

Shiva-Epoche

Die Könige bauten Tempel zu Ehren des hinduistischen Gottes Shiva.

Die ältesten Tempel stehen in der Roluos-Gruppe, 12 km östlich von Siem Reap. Hier vollendet König Indravarman I. (877–ca. 886) die erste Hauptstadt Hariharalaya mit den Tempeln Bakong und Preah Ko sowie dem Baray von Lolei, einem riesigen Wasserbecken. Diese Hauptstadt ist noch in ihrer Gesamtheit erkennbar.

König Yasovarman I. (889–ca. 915) baute zunächst den Tempel Lolei im gleichnamigen Baray, dann gründete er die neue Hauptstadt Yasodharapura mit dem Mittelpunkt Phnom Bakheng. (Phnoms sind Hügel, die schroff aus Ebene aufragen.)  Diesen Phnom machte er zu seinem Haupttempel, andere Tempel entstanden auf dem Phnom Krom, Phnom Bok und Phnom Dei. Er ließ den Siem Reap-Fluss umleiten und baute den großen Östlichen Baray. Sein Palast war an der Stelle des späteren Königspalasts.

König Jayavarman IV. (ca. 928–ca. 941) verlegte die Hautstadt vorübergehend nach Koh Ker, 60 km nordöstlich von Angkor. Die Gesamtanlage, mit einer spektakulären Pyramide ist zwar ramponiert, aber insgesamt unverändert erhalten.

König Rajendravarman ((944–968) verlegte die Hauptstadt unter dem alten Namen Yasodharapura wieder nach Angkor. Er baute den Östlichen Mebon und Pre Rup.

Größere Tempel entstanden bald darauf: Ta Keo (ca. 970–ca. 1010) und Baphuon (ca. 1050–ca. 1066).

Die schönsten und am besten erhaltenen Tempel wurden in der Regierungszeit von König Suryavarman II. (1113-ca. 1150) und unter seinem Nachfolger gebaut: Angkor Wat, Thommanon, Chau Say Tevoda, Banteay Samré und Beng Mealea.

Bayon-Epoche

König Jayavarman VII. (1181–ca. 1220) machte den Buddhismus zur Staatsreligion. Er wollte mit einem gigantischen Bauprogramm Angkor buddhistisch ummünzen. Zwischen 1181 und ca. 1220, also in drei Jahrzehnten, wurden Ta Prohm, Preah Khan, der Nördliche Baray, Banteay Kdei, Ta Som, Ta Nei, Bayon mit Angkor Thom, die Elefanten-Terrasse, Banteay Prei und Banteay Thom gebaut, außerdem in Nordwesten Kambodschas Banteay Chhmar und Banteay Toap. Diese Bauten sind zwar imposant, aber aufgrund nachlässiger Bauweise zerfallen.

Dieses Bauprogramm sprengte die Ressourcen des Reiches. Um mehr Reis anzubauen, erweiterte man gewaltsam das Bewässerungssystem - und zerstörte es auf diese Weise; es brach zusammen, damit war der Untergang Angkors besiegelt.

Verlassen und vergessen

Der königliche Hof wanderte ab. Der Wald kam zurück. Angkor und seine Kultur gerieten in totale Vergessenheit, die Tempel gelten den Einheimischen bis heute als verlassene Paläste.

Als die Götter aus ihren Tempeln vertrieben waren und die Göttinnen ihre Bilder, die Devatas zurücklassen mussten , belegten sie die Bilder mit einem Bann: Nur Eingeweihte sollten diese als Göttinnen erkennen, den Übrigen erscheinen sie nur als Apsaras, schnöde Tänzerinnen.

In Angkor Wat und anderen Tempeln setzten sich buddhistische Mönche fest, und in einigen Ruinen hausten Einsiedler.

Etwa im 16. Jahrhundert beschädigten oder zerstörten buddhistische Mönche die Tempel Phnom Bakheng, Baphuon und Angkor Wat.

Wieder-Entdeckung

1860 besuchte der französische Naturforscher Henri Mouhot, den Hinweisen von Missionaren folgend, Angkor. Sein Reisebericht, postum 1864 auf Englisch erschienen, war nicht der erste, fand aber sofort durchschlagende Beachtung in der westlichen Welt.

Der Archäologische Park

1907 begann die École française d’Extrême-Orient (ÉFEO) damit, Tempel zu katalogisieren, freizulegen sowie zu restaurieren und einen Park im Stil einer kolonialen Ausstellung anzulegen. Dabei reduzierte man komplexe Tempelanlagen auf „Monumente“, die scheinbar isoliert voneinander in der Landschaft stehen.

Man legte einen Park mit Rundwegen und Parkplätzen an, die nicht nur das alte Wegesystem ignorierten, sondern auch gelegentlich quer durch Tempel verlaufen.

Die großen Tempelanlagen Phnom Bakheng, Pre Rup und Ta Keo verloren dabei ihre Außenanalagen sowie Avenuen, und Angkor Wat seinen westlichen Außenbereich.

Reiseführer ignorierten den ursprünglichen Sinn der Tempel. Es entstand eine Routine welche Tempel in welcher Reihenfolge auf welchen Wegen in welcher Zeit zu besichtigen sind.

Wie Angkor lebendig wird

Aber: Nur in ihrem ursprünglichen Zusammenhang gesehen, erzählen die Tempel ihre Geschichte.

Mit dem Bakong fängt die Geschichte an, und dort beginnt die Tour. Alle weiteren Tempel stehen dann im Zusammenhang der dort beginnenden Geschichte.